Reviews / Kritiken / Interviews

 

September 2010, Vogue: "In Hamburg..." schreibt Bernd Skupin auf Seite 192 der deutschen Vogue über Christoph Schäfers Die Stadt ist unsere Fabrik "...kämpft eine breite Koalition von ganz links bis ins bürgerliche Lager gegen Gentrifizierung und für ein facettenreiches urbanes Leben. Schäfer, Mitinitiator des Protests, hat ein kluges und originelles Buch über das Entstehen von Städten allgemein und den Hamburger Konflikt im Besonderen gezeichnet. Spector Books, 304 S., 28 €."

4. August, 2010: Under the title: "Gentrification will eat itself. Taking theory to the playground: Lefebvre for kids", Anna Richter writes in CITY, 14: 4, 464 — 469: "Far from being a children’s book alone, however, it accomplishes what planner-philosopher Lucius Burckhardt beautifully coined ‘strollology’—the art and science of taking walks (Schmitz, 2004, p. 5). Flicking through the pages or getting lost in the detail, strolling through the book intrigues with seemingly mundane statements: ‘the city belongs to us all, really’ (p. 256). Such streetwise naivety, however, develops into a powerful confrontation with fantastic and fatal realities without losing sight of Adorno’s warning (2005, p. 57): ‘The almost insoluble task is to let neither the power of others, nor our own powerlessness, stupefy us.’

22. Mai, 2010: DER SPIEGEL, Interview mit Philipp Oehmke. "Ein biblisches Warnzeichen": Der Künstler Christoph Schäfer, 45, über sein Buch "Die Stadt ist unsere Fabrik", in dem er in 158 Zeichnungen die Geschichte des Urbanen erzählt. (Leider ist folgender Satz der Kürzung zum Opfer gefallen: "SPIEGEL: Ihr Buch illustriert in Anspielung an den franzözischen Philosophen Henri Lefebvre sogar die „Revolution der Städte“. Schäfer: Lefebvre meint damit die Aneignung der Städte durch ihre Bewohner. Ich finde, wir sehen erste Umrisse dieser urbanen Revolution. Nach UNESCO-Berechnungen lebt seit ein, zwei Jahren erstmals der größere Teil der Menschheit in Städten. Die Bedeutung von Städten wächst. Und da sind Auseinandersetzungen um städtischen Raum vorprogrammiert.")

10. Mai, 2010: Kathrin Kaufmann im uMagazine: "Die Stadt, in der wir leben, verändert sich. Ständig. Und wir uns mit ihr. Weil die Stadt ein kollektiver Raum ist. Wir radeln an Baugruben und neuen Bürogebäuden vorbei, kaufen in neuen Shoppingcentern ein oder gehen zum letzten Mal in den alten Lieblingsclub, bevor er abgerissen wird. Was stehen bleibt, was gebaut wird, wer auf welcher Wiese liegen darf: Das ist ein ständiger Kampf zwischen Interessengruppen; ein Kampf um das Recht auf Stadt, wie es der französische Philosoph Henri Lefebvres in den 70er-Jahren ausdrückte. Der Hamburger Künstler Christoph Schäfer hat sich Lefebvres Thesen zur Brust genommen und sie in ein Bildessay mit dem Titel "Die Stadt ist unsere Fabrik" verpackt. Der Bau von Triumphbögen, die Aneignung von Swimmingpools durch Skater oder die Besetzung des Gängeviertels: In 158 Zeichnungen erzählt Schäfer die Geschichte der Stadt von ihren Anfängen bis zur aktuellen "Recht auf Stadt"-Bewegung in Hamburg - auf kreative und dennoch sehr aufschlussreiche Art und Weise."

16. April, 2010: Nicole Vrenegor im ak Nummer 549: "Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte, heißt es. Es ist auf jeden Fall (interpretations-)offener, wie das bei Spector Books erschienene Buch "Die Stadt ist unsere Fabrik" zeigt. Auf über 300 Seiten bringt der Hamburger Künstler Christoph Schäfer theoretische Überlegungen zu Stadt- und Raumproduktion zu Papier, dies in enger Anlehnung an die Theorie- und Begriffsbildung des marxistischen Philosophen Henri Lefebvre. Hinzu kommen Bilder, die die Entwicklungen in Hamburg im letzten Jahr skizzieren und Bewegungsmomente festhalten. Dabei findet sich auch Nachdenkliches zur Rolle der Kulturschaffenden im Prozess der Gentrifizierung: "Gerade unsere radikalsten Gesten ließen sich am besten verwenden - zur Aufwertung von Immobilien, zur Identitätskonstruktion von Vierteln. Kaum gab es wo einen illegalen Club, eröffnete nebenan schon eine Cappucinobar, gefolgt von einer New-Media-Agentur (...) Wir waren Unternehmensberater", sagt eine Person, die sich im Café des Artistes (!) mit dem Autor unterhält. "Wir hatten also genau die Fähigkeiten erworben, die der Image-Kapitalismus braucht - visuell alphabethisierte, konsumkompetente Nischen-Nasen", erwidert dieser. Jedoch bleibt das Buch nicht beim Lamentieren über die Vereinnahmung von Subkultur durch städtische Imagepolitik stehen. Schäfer zeigt auch, wie vielfältige Initiativen aktiv versuchen, die "Wachsende Stadt mit Projekten zu umstellen" und sich neue Räume aneignen."

8. April, 2010, Hamburger Abendblatt: "Die Debatte über die Gestaltung des Lebensraums Stadt, Stichwort "Gentrifizierung", treibt künstlerische Blüten. Derzeit beschäftigt sie das Schwabinggrad Ballett. Seine aktuelle Produktion "Business Punk City" zeigt es ab heute an markanten öffentlichen Orten wie der Roten Flora oder dem Gängeviertel.(...) Das Kollektiv rezitiert eigene Texte, zum Beispiel aus dem Buch des Hamburger Autors Christoph Schäfer "Die Stadt ist unsere Fabrik", aber auch Liedtexte der Hamburger Punkband Goldene Zitronen, deren Multiinstrumentalist Ted Gaier mit von der Partie ist."

März 28, 2010: Unter dem Titel "Lefebvre gezeichnet" schreibt "strickliesel" über "Die Stadt ist unsere Fabrik" bzw. in erster Linie über die Stadt und in der Stadt. Im Gehen. Ganz toll und auch unabhängig vom Buch unter: http://schaetzchen.blogsport.de/2010/03/28/lefebvre-gezeichnet-christoph-schaefers-die-stadt-ist-unsere-fabrik/

"Zunächst zum Buch selbst: Es ist mit 304 Seiten so dick wie ein Fabrikziegel und hat eine großartige Druck- und Papierqualität, so dass man sich fragt, ob man aus Versehen das Original-Skizzenbuch mitgenommen hat. Tolle Zeichnungen und tolle Stadtgeschichten, die ihren Anfang in der historischen Ursuppe haben und ihr Ende im Hier und Jetzt finden. Radikal subjektiv und assoziativ erzählt & erzeichnet ist das Buch im besten Sinne unterhaltend und schlau, da es zum Mitdenken herausfordert." "Grob nimmt die Lefebvre-Dichte gegen Ende des Buches ab und die Hamburg-Referenzen zu. Sicher ist, dass sich nicht alle Bilder sich von alleine herleiten lassen ohne ergänzende Erläuterungen. Ist aber auch nicht weiter schlimm. Oft ergeben sich über die Folge von Bildern und über die Wiederkehr von bestimmten Motiven assoziative Verknüpfungen. Ich empfehle: Mut zum Eintauchen und Gedanken-schweifen-lassen und picke mir einfach mal ein Bild raus… Warum gehen Leute gerne in komplizierten Stadtentwürfen spazieren?, lautet die bildgebende Frage auf S. 96, die auf einer Treppe startet und über das Blatt geht und dabei von verschiedenen farbigen Linien durchkreuzt wird. Der Text ist Teil des Bildes und umgekehrt. Kompliziert heißt: nicht gleich auf den ersten Blick zu durchschauen. Das Gängeviertel fällt mir ein und dass mal große Teile Hamburgs so verschachtelt ausgesehen haben bis zum Großen Brand 1842. (Kehrseite dieser uns heute so attraktiv erscheinenden Unübersichtlichkeit: Enge, schlechte hygienische Bedingungen und eben Brandgefahr). Trotzdem glaube ich auch, dass Stadt vor allem dann geschätzt wird, wenn die verdichtete Unterschiedlichkeit und die historischen Schichten von Stadt sichtbar werden."

Nov. 5, 2009: Charly Traktor / Lucas Flasch / Fortboy vom SUPRA Magazin interviewen Christoph Schäfer zu Kunst und Politik, Lefebvre und Recht auf Stadt, No BNQ und Es regnet Kaviar, Park Fiction und Skateboardfahren, Zeichnen und "Die Stadt ist unsere Fabrik":

"Wenn ich zeichne ist mir egal, ob es Kunst oder Politik ist - weil ich versuche, etwas rauszukriegen. Beide Beschreibungen schränken ein, worum es gehen könnte. Aber wenn man mit Kunst sowas meint wie: man möchte seine Mittel reflektieren, man möchte ne andere Sprechweise finden, man möchte die Sachen nicht immer auf die selbe abgedroschene Art formulieren, dann ist das etwas, wo ich sagen würde, das ist sowieso nicht verhandelbar, das muss man einfach machen. Das gehört zur Emanzipation der Menschheit durchaus dazu. Da kann man nicht hinter zurück.
Gerade die aktuelle Bewegung für ein "Recht auf Stadt" bringt beides zusammen. Der Begriff stammt ja ursprünglich von Henri Lefebvre, einem französischen Urbanisten, der mit den Situationisten in Zusammenhang stand. Und der hat einen sehr aufgeladenen Begriff von „Stadt“: „Die Stadt ist der angeeignete Raum“ oder „Die Stadt ist akkumulierte Unterschiedlichkeit“."

Oct. 3, 2009: Julia Wagner on Christoph Schäfer's lecture at MIT Visual Art Program; in: The Traveling Cube blog:

"...That good vibe was rewarded when the Liev Schreiber-esc man in dark-rimmed glasses with carefully wet-coiffed hair and camel-colored suite sat down in front of me and a fellow attendee ... and shook my hand in introduction. Why not, I thought. I introduced myself."

"Schäfer began his presentation by commenting on Die Stadt (als) unsere Fabrik, and read aloud from his mighty sketchbook. The initial topic was coffee culture in urban spaces. He showed us slides of his sketchbook pages, one after another, which combined with his narrating to became an informed sort of visual associative ramble. His idea: coffee shops invite people to participate in and do specific kinds of creative and intellectual work. Eventually, after using coffee culture as an example in that way of creating a context into which one can bring one’s creativity, he asserted that the city is a factory for ideas."

Sept. 3, 2009: Niels Boeing in DER FREITAG über die neue soziale Unruhe in Hamburg:

"In Hamburg zieht eine soziale Unruhe herauf, wie es sie seit den Kämpfen um die Rote Flora nicht mehr gab. Stein des Anstoßes ist eine neue Phase der Gentrifizierung"

"Denn der Assoziation aus kritischen Gruppen, die derzeit entsteht, geht es nicht mehr nur darum, die schlimmsten Auswüchse der neoliberalen Stadtentwicklung zu beseitigen. Sie will weitergehen. „Wir fordern ein Recht auf Stadt“, sagt Christoph Schäfer vom Aktionsnetzwerk gegen Gentrification Es regnet Kaviar und knüpft damit an den französischen Soziologen Henri Lefebvre an. „Die Stadt ist unsere Fabrik. Der Kampf um urbane Räume ist deshalb ein Kampf um unsere Produktionsgrundlagen.“"

August, 2009: Svenna Triebler interviewt Christoph Schäfer und Rocko Schamoni zu Gentrifizierung und Latte Macchiato Kultur, in konkret o8, 2009

"Diese Kämpfe um urbane Räume sind zentral und werden noch sehr lange weitergehen, weil Städte wieder eine zentrale Funktion im Kapitalismus haben. Sie sind wieder zu einem zentralen Produktionsfaktor geworden. Man dachte eine Zeitlang, wir lagern die ganzen Büros und Verwaltungen auf die grüne Wiese aus, die Leute sitzen eh nur am Rechner, und die Fabriken schaffen wir in die Dritte Welt. Da war die Stadt nicht mehr das Zentrum der gesellschaftlichen Entwicklung. Jetzt ist sie es aber wieder. Und nun kommen auch Leute aus Kunst und Subkultur wieder ins Spiel, weil die Etablierung von Lebensstilen, also das erfinderische Moment darin, ein wichtiger Punkt in der Wertschöpfungskette geworden sind."